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Dualismus

 
       
  Dualismus, lat.: »Zweiheitslehre«; in der Religionsgeschichte die Erklärung der Zustände in der Welt durch zwei Gottheiten oder Prinzipien. Bekannt ist der iranisch-zoroastrische D., der einen guten (Ahura Mazda) und einen bösen Gott (Ahriman) an den Anfang des Weltgeschehens stellt und dieses von dem Kampf der beiden beherrschen läßt, bis der gute Gott mit der Hilfe seiner Anhänger am Ende der Zeiten den Sieg davonträgt. Der D. der indischen Philosophie (Dvaita) lehrt, daß Gott und die Lebewesen für alle Zeiten verschieden sind. Von großem Einfluß auf das abendländische Denken war der ontologische und metaphysische D. des griech. Philosophen Platon. Er unterscheidet zwischen zwei Seinsebenen: den ewigen Ideen und ihren vergänglichen Abbildern, die den Kosmos bilden. Von diesen Formen unterscheidet sich der D. der Gnosis. Durch die negative Bewertung der sichtbaren Welt und ihrer Urheber ist er antikosmisch. Die Neuplatoniker (z. B. Plotin 3. Jh. n. Chr.) warfen deshalb den Gnostikern eine Verteufelung des Kosmos vor. Wenngleich auch die Welt nicht vollkommen sei, so habe sie trotzdem Anteil am höchsten Sein und sei ein Produkt des göttlichen Weltplanes.

Die philosophische Idee, die Welt aus dem Gegensatz von zwei Prinzipien zu erklären. Eine Religion, die auf dem grundlegenden Unterschied von zwei Gegensätzen aufbaut, nennt man dualistisch. So baut der Parsismus (Zarathustra) auf dem Gegensatz von Gut und Böse auf. Elemente des D. finden sich ebenfalls im Christentum. Dualistisch sind auch die Religionen Asiens. Doch hier ist es kein moralischer Gegensatz. Im Taoismus stehen sich etwa Yin und Yang gegenüber, die in ihrem Wechselspiel die Welt erzeugen. Sie sind hell und dunkel, männlich und weiblich, hart und fest, aber nicht gut und böse. Auch die moderne westliche Esoterik folgt zum großen Teil diesem asiatischen D. Für Christen kann das sehr irritierend sein. Da ihr D. auf Gut und Böse beruht, sehen sie schnell Satan und nicht das Weibliche im Yang.

Dualismus sieht die Wirklichkeit in Polaritäten (Gegensätze) - in zwei Prinzipien, Tendenzen oder Grundbefindlichkeiten - aufgespalten. Diesseits und Jenseits, Heilig und Profan, Immanenz und Transzendenz stehen einander gegenüber. Dualistische Vorstellungen charakterisieren alle religiösen Bereiche: Kosmogonien (Lehren von der Weltentstehung) beschreiben den Übergang von einem chaotischen Urzustand in die Ordnung der Welt. (- Schöpfungsmythen) Nach der - Gnosis sind Geist und Materie, Licht und Finsternis feindlich aufeinander bezogen. Die Welt ist entstanden, als sich beide Prinzipien mischten. Im alten China bezeichnete man den Weg, nach dem sich der Gang des Kosmos harmonisch vollzieht, mit tao. (Taoismis) Tao ist den beiden Prinzipien yang und yin übergeordnet. Yang ist das starke, aktive, schöpferische, lichte und warme Element, dem Himmel, Sonne, Süden und die rote Farbe entsprechen. Yin hingegen ist das weibliche, schwache, passive, dunkle und kalte Element, dem der Mond, der Norden und die schwarze Farbe zugeordnet sind. Die Mythen pflegen die gegensätzlichen Eigenschaften von Güte und Zorn auf verschiedene Götter zu verteilen; manchmal aber vereinigt eine einzige Göttergestalt die Züge des Furchterregenden mit denen der Güte. Unter den Religionen hat der Parsismus (Zarathustra) einen besonders stark ausgeprägten Dualismus, der auch die - Ethik prägt. Alles Tun gilt dem Kampf gegen das Böse: «Höret mit den Ohren das Beste, betrachtet es mit klarem Sinn: die Entscheidung zwischen den beiden Wahlmöglichkeiten ...» (Zarathustra) Dualistische Geschichtsauffassungen untergliedern den historischen Prozess in Perioden, in denen abwechselnd das Gute und das Böse vorherrscht. Erst am Ende der Geschichte kann der Gegensatz aufgelöst werden: Die Guten kommen zur Vollendung und ins «ewige Leben », die Gottlosen aber enden in der - Hölle oder werden völlig vernichtet. Mit der Apokalyptik ist iranisch-dualistisches Denken in den jüdischen Glauben eingedrungen. Auch Paulus’ Theologie ist durchsetzt von Gegensatzpaaren: Gesetz steht gegen Verheißung (Gal. 3, 18), Werke gegen Glauben (Röm. 3, 21 ff.), Fleisch gegen Geist (Röm. 8,4 ff.). Dualistisch ge- prägt ist insbesondere das Johannesevangelium: Das « Licht » scheint in der « Finsternis » (Joh. 1, 5 ff.). Das « Gesetz » wird von der « Gnade » abgelöst (Joh. 1, 17). Aus « Fleisch » wird « Fleisch », aus « Geist » wird « Geist » geboren (Joh. 3, 6); aber das « Leben » überwindet den «Tod » (Joh. 5, 24).

Philosophisch-religiöse Lehre, nach der es nur zwei voneinander unabhängige ursprüngliche Prinzipien im Weltgeschehen gibt, z. B. GottWelt, Geist — Stoff. Glück; Religion; Teufel
Dualismus, in der Mystik und religiösen Kosmologie die Lehrmeinung, daß zwei gegensätzliche Kräfte, Gut und Böse, ewig im Widerspruch zueinander stehen. Klassisches Beispiel für den Dualismus in einer Weltreligion ist der traditionelle Zoroastrismus. Im späteren Parsismus triumphierte das durch Ahura Masda personifizierte Gute schließlich über das Böse in Gestalt Ahrimans. E: Dualismus im weiteren Sinne behandelt auch das Gegenüberstehen von zwei andersartigen Prinzipien unabhängig von der moralischen Bewertung, etwa der Gegensatzpaare rechts – links, Yin – Yang, männlich – weiblich, oder (bei Göttergeschlechtern) Asen – Vanen. Wo sich Gegensatzpaare zu einer Einheit zusammenführen lassen, wird jedoch der Ausdruck »Polarität« bevorzugt. Bereits Symbolzeichen und Höhlenmalereien des Eiszeitmenschen sollen sich in ein dualistisches oder bipolares Programm einfügen lassen.
 
 

 

 

 
 
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