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PHOEBUS DIE GLÜHBIRNENVERSCHWÖRUNG

 
       
  An einem dunklen Dezembertag, dem Vorabend zum Weihnachtsfest 1924, versammeln sich in Genf einige verschwiegene Herren, um das Fest Des Herrn zu ihrem Fest des Lichts zu machen. Eingefunden haben sich die führenden Vertreter von OSRAM (Deutschland), International (USA), Philips (Holland), Compagnie des Lampes (Frankreich), Tungsram (Ungarn) u.a., kurzum die Elite der glühlampenproduzierenden Konzerne mit den Repräsentanten ihrer monopolisierten Nationalindustrien. Während andernorts bereits Lichter liebevoll auf Zimmertannen gereiht werden, gründen die Herren Phoebus, indem sie an diesem Heiligen Abend den Entwicklungsund Fortschrittsvertrag auf dem Gebiete der internationalen Glüh­lampenindustrie unterzeichnen, mit dem Ziel, »die Zusammenarbeit aller Vertragsparteien sicherzustellen, zur Vorsorge für eine vorteilhaftere Ausnutzung ihrer Fabrikationsmöglichkeiten bei der Herstellung von Lampen, Sicherung und Aufrechterhaltung einer gleichmäßig hohen Qualität, Verbesserung der Wirtschaftlichkeit bei der Verteilung des Absatzes und Steigerung der Wirksamkeit elektrischer Beleuchtung und Erhöhung des Lichtverbrauches zum Vorteil des Verbrauchers«., Hinter diesen Sätzen verbirgt sich nicht nur das erste weltweit wirksame Kartell der Wirtschaftsgeschichte, sondern vor allem eine strenge ökonomische Strategie, die viele(s) erreicht – nur nicht das Wohl eines menschlichen Verbrauchers. Phoebus dient einerseits als Kontrollinstanz über die nationalen Glühlampen-Märkte und ihre jeweilige Entwicklung im weltweiten Gewerbe. Andererseits etabliert Phoebus einige weitreichende und langlebige Standards, etwa den bis heute üblichen Sockel E27, damit jede Glühlampe einem globalen plug-and­play gehorcht. Der zentrale Punkt von Phoebus' Bestrebungen gilt jedoch der Glühlampe selbst, und zwar ihrer Lebensdauer bzw. -beschränkung. Bereits im folgenden Jahr wird diese von einem eigens gebildeten Exekutivkomitee auf nunmehr 1000 Stunden festgeschrieben, um mit der alsdann reduzierten Brenndauer höhere Verkaufszahlen zu erreichen. Den Kampf führt Phoebus nicht nur anfangs gegen technische Schwierigkeiten, die Lebenszeit der Lampen erfolgreich von etwa 1500 bis 2000 Stunden auf den neuen Wert zu vermindern, sondern auch vehement gegen unfügsame eigene Mitglieder und immer gegen vereinzelte Kartellgegner. Von Versuchen, die Brenndauer ungeachtet der wachsamen Phoeben-Augen in alte Höhen zu schrauben, wird immer wieder berichtet. Und ebenso oft von ihrem Scheitern. Eingedenk der inzwischen gesteigerten Netzspannung erwarten Glühbirnen heute bereits nach ca. 750 Stunden ihren werkseitig eingebauten Brennschluß. Wenngleich Phoebus 1941 offiziell im verborgenen zu verschwinden vorgibt, lebt der Weltglühlampenvertrag unter anderem Namen selbstverständlich weiter. Derzeit heißt die Kontrollinstanz unserer Birnen, International Electrical Association, Lausanne. Zwar behauptet sie, sich 1989 aufgelöst zu haben. Doch unzweifelhaft arbeitet etwas im dunklen weiter gegen die Dauer des Lichts. (Markus Krajewski)  
 

 

 

 
 
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